Tag Archiv für Demenzstrategie

Session von Elisabeth Rappold

Wir freuen uns sehr, dass Maga. Maga. Drin. Elisabeth Rappold, Mitarbeiterin an der Gesundheit Österreich GmbH, heuer das carecamp demenz besuchen und auch eine Session halten wird. Drin Rappold ist DGKP und Pflegewissenschafterin. An der GÖG sind ihre Arbeitsschwerpunkte die Gesundheitsberufe, deren Bedarf und Entwicklung, sowie die Demenzstrategie.

Ihre Session stellt Frau Drin. Rappold wie folgt vor.

Sessiontitel:
Soziale Teilhabe von Menschen mit Demenz

Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen sind mehreren Benachteiligungen ausgesetzt. Sowohl die Betroffenen selbst, als auch deren Zu- und Angehörige sind häufig vom sozialen Leben ausgeschlossen und leiden in der Folge oftmals unter sozialer Isolation. Das grundlegende menschliche Bedürfnis, Achtung und Respekt zu erfahren, endet nicht im Alter und auch nicht durch Beeinträchtigungen und ist zentraler Bestandteil von Lebensqualität. Nicht immer stimmen die Vorstellung von Lebensqualität und die Bedürfnisse von An- und Zugehörigen mit den Bedürfnissen von Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen überein. Eine weitere Herausforderung liegt darin, größtmögliche Selbstbestimmung von Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen gegen mögliche Selbstgefährdung abzuschätzen. Die demenzsensible Gestaltung des Lebensumfeldes ist somit wichtige Voraussetzung für weitgehende Selbstbestimmung.

Gut leben mit Demenz bedeutet vor allem soziale Teilhabe und Wertschätzung für die Betroffenen. Es bedeutet, sowohl Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen als auch An- und Zugehörige zu befähigen, ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu artikulieren und sichtbar zu machen. Die Schaffung von Lebensbedingungen, die die Fähigkeiten Einzelner und von Gemeinschaften darin stärken, so zu leben, dass ihre Gesundheit optimiert und erhalten werden kann, ist das zentrale Prinzip der Gesundheitsförderung. Soziokulturell beeinflusste Lebensweisen sind dabei genauso wichtig wie individuelle Verhaltensweisen. Es sind sowohl die Verhältnisse, in denen Menschen leben, als auch ihr Verhalten in Bezug auf ihre Lebensweise und ihren Lebensstil, die Gesundheitsförderungs-Fachleute berücksichtigen, wenn es darum geht, Individuen und Gemeinschaften darin zu stärken, mehr Kontrolle über die bestimmenden Faktoren ihrer Gesundheit zu gewinnen.

Die Unterstützung von Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen, die Anerkennung ihrer Ressourcen und Fähigkeiten sowie ihre Teilhabe am öffentlichen Leben sind wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Die Lebensbedingungen für Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen können vor allem durch zivilgesellschaftlichen Dialog verbessert und der Stigmatisierung entgegengewirkt werden.

Dies bedeutet aber auch, gesellschaftliche Rahmenbedingungen derart auszugestalten, dass ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht wird. Dies kann durch Realisierung von „Demenzfreundlichen Kommunen/Gemeinden“ erreicht werden: Darunter ist ein Gemeinwesen zu verstehen, in dem es sich für und mit Betroffene/n und ihre/n Familien gut leben lässt und in dem Teilhabe gelebte Wirklichkeit ist. Eine wirkliche Verbesserung kann nur dann gelingen, wenn Formen einer gemeinsamen Verantwortungsübernahme entwickelt und gelebt werden.

Vor diesem Hintergrund sollen im Rahmen eines World Cafes zentrale Fragen diskutiert werden:
• Wie kann unsere Gesellschaft befähigt werden, Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen in ihren Ressourcen und Stärken zu erkennen und nicht nur auf die Defizite zu fokussieren?
• Was bedeutet Gesundheit und Gesundheitsförderung für Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen in unserer Gesellschaft?
• Was kann seitens der Expert/-innen beigetragen werden kann, um selbst bestimmtes Leben zu ermöglichen?