Tag Archiv für Raphael Schönborn

Impulsreferat von Raphael Schönborn

Ein Carecamper der ersten Stunde, Raphael Schönborn, steht uns am carecamp demenz 2017 als Impulsreferent zur Verfügung. Wir freuen uns sehr darüber!

Der Titel seines Referates:

Was heißt hier demenzsensibel?

Die Ansprüche im Demenzbereich steigen. Ein „Gut[es] Leben mit Demenz“ (Juraszovich et al. 2015) wurde von der Politik als nationale Strategie auserkoren. Die Gesellschaft soll „demenzsensibel“ werden und die Maßnahmen dafür „bedarfsgerecht“ sein. Nur wer kann bestimmen, was es heißt „demenzsensibel“ zu sein?
Bislang wird in Österreich beinahe ausschließlich aus der Außenperspektive (ExpertInnen, An-/Zugehörige) (fremd)bestimmt, was Demenz bedeutet. Direkt Betroffene können demgegenüber kaum (selbst)bestimmen, wie sie eine Demenz definiert wissen wollen, geschweige denn werden sie miteinbezogen, wenn es um relevante Entscheidungen zu ihrer Personengruppe geht. Es fehlt an Wissen, wie unmittelbar Betroffene ihr Leben trotz einer dementiellen Beeinträchtigung bewältigen und wie sie dabei unterstützt werden wollen. Der Weg zu einer wirklich „demenzsensiblen“ Gesellschaft führt deshalb nur über die Beteiligung der direkt an Demenz Betroffenen, da nur diese selbst bestimmen können, was „demenzgerecht“ sein kann.

Raphael Schönborn ist MA Sozialwirtschaft und Soziale Arbeit, BA Erziehungs- und Bildungswissenschaften, DPGKP und ist Absolvent der Sonderausbildung für Lehraufgaben § 65b GuKG. Er befasst sich seit vielen Jahren als selbstständig Tätiger (raphael-schoenborn.at) mit dem Themenfeld Demenz auf praktischer und theoretischer Ebene, begleitet und berät Gruppen, Familien und Einzelpersonen, ist im Bildungs- und Projektentwicklungsbereich tätig und hat sich in seiner Masterarbeit mit dem Erleben und den Bewältigungsstrategien von Menschen mit dementiellen Beeinträchtigung im Rahmen der qualitativen, partizipativen Forschung auseinandergesetzt.

Die Masterthesis vom Raphael Schönborn kann HIER kostenfrei abgerufen werden.

Sessionangebot Raphael Schönborn

Wir freuen uns das erste Sessionangebot vorstellen zu dürfen.

Raphael Schönborn von Raphael Schönborn – Pflege, Betreuung, Beratung und treuer Carecamper der ersten Stunde hat folgendes Sessionangebot für das carecamp demenz gemacht.

Schönborn Raphael

„Ich fühle mich gar nicht dement.“ Erkenntnisse aus der betroffenenorientierten Demenzforschung für die Praxis.

Menschen mit dementiellen Beeinträchtigungen (MmD) sind in Österreich weder im öffentlichen noch im wissenschaftlichen Diskurs mit ihren Selbstäußerungen vertreten. Aussagen über Betroffene stammen aus der Außenperspektive (Fremdbestimmung), wie der Medizinwissenschaft, welche Demenz als psychische Störung (ICD-10, DSM-5) deklariert oder von betreuenden/pflegenden An-/Zugehörigen, welche die Demenz als große Belastung bezeichnen.

Erkenntnisse über das Erleben, die Bewältigungsprozesse und die Wünsche und Bedürfnisse von MmD aus der Perspektive der Betroffenen durch Forschung zu gewinnen, ist ein wichtiger Beitrag zur Selbstbestimmung von MmD und zur Entwicklung evidenzbasierter, bedarfsgerechter Interventionsformen.

Danke für das spannende Angebot!

Sessionangebote Raphael Schönborn

portrait-raphaelGleich zwei Sessionangebote hat Raphael Schönborn für das CARECAMP 2014 eingereicht.

Sessiontitel 1: Mensch(-licher) mit Demenz. Gegen die Biologisierung des Sozialen.

Der Demenzdiskurs wird vom medizinwissenschaftlichen Modell dominiert, dessen Programmatik die Bekämpfung und Eindämmung der Erkrankung ist. Für Menschen mit Demenz entsteht durch die Defektzentrierung die Gefahr der gesellschaftlichen Stigmatisierung und Exklusion.
Dass die Demenz eine Beeinträchtigung darstellt, die unter den Schutzbereich des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (RMB-Ü) fallen, wird dabei kaum beachtet. Die daraus resultierenden menschenrechtliche Verpflichtungen gegenüber demenzkranken Menschen werden bislang systematisch vernachlässigt.

Diese Session kritisiert Fremdbestimmung bei Demenz und fordert sozial-integrative Ansätze als menschenrechtliche Verpflichtung.

Sessiontitel 2: Man(n) pflegt! Das Problem der mangelnden Sichtbarkeit „männlicher Pflege“.

Männer werden als vernachlässigbare Randgruppe in der Angehörigenpflege betrachtet. Die Kenntnisse zur Lebenslage von Männern in der Pflege sind dementsprechend gering und Unterstützungsangebote orientieren sich meist an den Bedürfnissen von Frauen. Ungefähr ein Viertel aller betreuenden und pflegenden Angehörigen in Österreich sind aber Männer, weshalb deren Leistung stark unterschätzt wird.
Diese Session setzt sich mit der Fürsorgetätigkeit von Männern in der Angehörigen-pflege auseinander und plädiert für geschlechtersensible Unterstützungsangebote bei männlichen Pflegearrangements.